Sonntag, 22. Januar 2012

Wer saufen kann, kann auch arbeiten?

UNSINNIGE SPRICHWÖRTER - Eine Veröffentlichung des Aktionskomitees zur Eliminierung dummbatziger Redensarten aus der Kommunikationskultur der menschlichen Gemeinschaft, kurz AkzEdummRadKdmG

Folge 1: „Wer saufen kann, kann auch arbeiten!“


Wer kennt  nicht die folgende Situation, die sich vorwiegend gegen 5 Uhr morgens auf geselligen Zusammenkünften auf Alkoholbasis abspielt: Man ist gut drauf, das Thema kommt auf eine baldige terminliche Verpflichtung, z.B. sagt dir deine Mitbewohnerin: „Hömma, musst du nicht morgen schon um 10 bei deinem Vater sein, ihm irgendwas ausbuddeln helfen?“ Und du sagst, in bewunderungswürdiger, weil total realistischer und analytischer Beurteilung der Situation: „Öh, das sehe ich jetzt so noch nicht kommen….. kähähä!“
In diesem Moment wirst du aus dem Munde eines mit angezogener Handbremse trinkenden Klappspatens, der sich  nie für einen dämlichen Spruch zu schade zu sein scheint, mit folgender Phrase beschallt:

„Wer saufen kann, kann auch arbeiten!“

Begleitet wird dieser Ausspruch von einem überlegenen und nach Zustimmung heischenden Grinsen, und du denkst dir: „Verdammt, eine Redensart, dagegen kannst du nix machen, also schnell nach Hause jetzt“
Falsch!
Du darfst in diesem Moment nicht auf die konstruierte Aura der Wahrhaftigkeit, die Sprichwörtern völlig zu Unrecht anhaftet, hereinfallen. Du musst dich wehren. Das einfachste wäre natürlich, mit dem Spruch „Und wer ein Grinsen im Gesicht hat, dem kann auch in selbiges gedroschen werden!“ für klare Verhältnisse zu sorgen. Wir als staatlich anerkanntes Aktionskomitee haben uns aber leider dazu verpflichtet, nicht zur Gewalt aufzurufen. Also wähle diese Möglichkeit nur im Notfall. Unser Motto lautet: Überzeugen statt Vermöbeln!
Schnapp dir also den Unwissenden am Schlawittchen und erläutere ihm im abgeklärten und beruhigenden Tonfall:
„So, du Pisser! Pass ma auf! Mit dem Unsinn, mittels eines Sprichwortes zu Unrecht Zustimmung zu erhalten und mir auf den Sack zu gehen ist jetzt Schluss! Das von dir benutzte Sprichwort ist ein Atavismus des protestantischen Arbeitsethos und steht im krassen Gegensatz zu der aktuellen Trinkveranstaltung, die jawohl eher dem  rheinischen Katholizismus zuzuschreiben ist. Du merkst vielleicht schon: Das beißt sich ein wenig! Die ausufernde Einnahme von alkoholhaltigen Getränken, die der eigentliche Grund unserer Zusammenkunft hier ist, wird unweigerlich dazu führen, dass sich mein Zustand immer weiter von dem entfernt, was man gemeinhin als arbeitstauglich bezeichnen würde. Ich würde  sogar noch weiter gehen und behaupten, dass mein Zustand morgen Früh so sein wird, dass ein eventueller Arbeitseinsatz gefährlich für mich, meine Umwelt und für das Arbeitsprojekt an sich sein wird. Dies legt den Schluss nahe, dass es für alle das beste wäre, wenn ich mich für diese Zeit freiwillig der Arbeit enthalte, um die Situation nicht unnötig zu verschlimmern.“
Durch die gewonnen Fakten lässt sich das widersinnige Sprichwort in ein wahrhaftiges umformulieren. Wir haben festgestellt, dass intensiver Alkoholkonsum zweifellos zur Arbeitsunfähigkeit führt. Daraus lässt sich folgendes Sprichwort ableiten:

Wer arbeiten kann, hat am Tag zuvor zu wenig gesoffen! 

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