UNSINNIGE SPRICHWÖRTER - Eine Veröffentlichung des Aktionskomitees zur Eliminierung dummbatziger Redensarten aus der Kommunikationskultur der menschlichen Gemeinschaft, kurz AkzEdummRadKdmG
Folge 2: „Morgenstund hat Gold im Mund!“
In der letzten Ausgabe haben wir das Sprichwort „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“ als Quatsch entlarvt und durch geschickte Dekonstruktion folgende Essenz der Wahrheit erhalten: „Wer arbeiten kann, hat am Tag zuvor zu wenig gesoffen!“
Hier setzen wir nun direkt mit unserer zweiten Untersuchung an. Stellen wir uns vor, wir wachen morgens auf und können nicht arbeiten. Zunächst können wir uns imaginär auf die Schulter klopfen und zu uns selbst sagen: Fein, fein, du hast anscheinend in ausreichendem Maße gesoffen….
Dieser friedliche Moment der Erkenntnis wird dann jedoch jäh zerrissen, indem eine Person, die nicht du selbst bist, Aktionsvorschläge vorträgt, die dich zum Aufstehen bringen sollen. Irgendwer meint, es sei Zeit zu frühstücken, und ist aus unerfindlichen Gründen zusätzlich der Meinung, dass dies nicht ohne dich über die Bühne gehen kann. Du siehst wehmütig deine Gedankenblase zerplatzen und grummelst den Versuch einer negativen Antwort Richtung Störenfried, jedoch ohne Erfolg. Hier ein erster Exkurs: Sämtliche Kommunikation zu diesem Zeitpunkt ist vollständig für den Arsch! Sowohl für potentielle Bittsteller als auch für dich selbst muss immer gelten:
Vor dem ersten Kaffee, Klappe halten!!!
Weiter im Text: Hat der Störenfried endlich deine ablehnende Haltung zu welchem Projekt auch immer registriert, wird er versuchen, mit einem unschlagbaren Sprichwort dir seinen Plan zu versüßen und vor allem als machbar zu präsentieren. Gezwitschert wird: „Morgenstund hat Gold im Mund…“
Jetzt ja nicht klein beigeben, nur nicht wieder auf die konstruierte Aura der Wahrhaftigkeit, die Sprichwörtern völlig zu Unrecht anhaftet, hereinfallen! Stell dir die entscheidende Frage: Ist das so? Und schon bist du im Bilde, was mit dir getrieben wird, und dir fällt die einzig wirksame Entgegnung ein, die du der Morgenstunde in einer den Rotz der ganzen Nacht loslösenden Art und Weise entgegen schleuderst:
„Dann erstick dran, du scheiß Arsch von Morgenstund!!!“
Jawoll, das hat gesessen. Jetzt aber nicht nachgeben, sondern weiter nachbohren. Warum hat der Morgen einen Mund? Und warum sollte Gold in diesem Mund liegen? Ist doch total alberner und sinnloser Quatsch. Was soll das denn bitte für ein Sprachbild sein? Wenn man Gold im Mund hat, so handelt es sich doch meistens um Zahngold. Denkbar wäre, dass der bettelarme Schuft von Krematoriumsmitarbeiter, der aus deinen verbrannten Überresten eben jenes Zahngold herausfischt, freudig vor sich hin trällert:
„Letzter Kunde, hatte Gold im Munde!“
Nun hätte dieser kleine Essay seine Zielvorgabe verfehlt, wenn er nicht ein neues Sprichwort präsentieren würde, um das absurde Ausgangssprichwort zu ersetzen. Also, wenn du morgens mal wieder für sämtliche Pläne nicht zu haben bist, und „total inne Fritten bist“, wie der Volksmund so sagt, dann zitiere doch einfach folgendes kleine Sprichwort in Gedanken:
Nur wer morgens arg zerknittern ist, kann sich am Tage auch ordentlich entfalten!
Und wenn du den ersten Kaffee drin hast, dann darfst du diesen Satz auch an deine Umwelt senden…
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