Wer bin ich? Das Rollenspiel der Moderne
Die geistige Vorstellungskraft ist die zentrale Voraussetzung für das Entstehen von Sehnsucht. Und die mal wilden, mal ruhigen Gewässer unserer Vorstellung sind uferlos. Es gibt nichts, was man sich nicht vorstellen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass uns die Moderne heute mit vorgefertigten Vorstellungen überschüttet. Wir werden belagert von idealisierten Bildern, sind umzingelt von vorbildhaften fiktiven Figuren. Die Sehnsucht nach den Idealen wird medial entfacht, indem Perfektion nicht nur als erstrebenswert, sondern auch als machbar dargestellt wird.
Willkommen in meinem Theater. Hier präsentiere ich einen subjektiven Blick, nämlich meinen, des Poppenspälers Blick. Einiges ist selbst produziert, anderes jedoch zusammengetragen. Denn ein Theater ist alleine nicht zu führen, man braucht andere Künstler. Das Programm steht unter dem Motto: Kultur der Freiheit, Produktivität des Müßiggangs. Die Vorführungen sind unterteilt in schriftliche, akustische und audiovisuelle Beiträge. Und nun, Vorhang auf!
Donnerstag, 2. Februar 2012
Sonntag, 22. Januar 2012
Morgenstund hat Gold im Mund?
UNSINNIGE SPRICHWÖRTER - Eine Veröffentlichung des Aktionskomitees zur Eliminierung dummbatziger Redensarten aus der Kommunikationskultur der menschlichen Gemeinschaft, kurz AkzEdummRadKdmG
Folge 2: „Morgenstund hat Gold im Mund!“
In der letzten Ausgabe haben wir das Sprichwort „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“ als Quatsch entlarvt und durch geschickte Dekonstruktion folgende Essenz der Wahrheit erhalten: „Wer arbeiten kann, hat am Tag zuvor zu wenig gesoffen!“
Hier setzen wir nun direkt mit unserer zweiten Untersuchung an. Stellen wir uns vor, wir wachen morgens auf und können nicht arbeiten. Zunächst können wir uns imaginär auf die Schulter klopfen und zu uns selbst sagen: Fein, fein, du hast anscheinend in ausreichendem Maße gesoffen….
Dieser friedliche Moment der Erkenntnis wird dann jedoch jäh zerrissen, indem eine Person, die nicht du selbst bist, Aktionsvorschläge vorträgt, die dich zum Aufstehen bringen sollen. Irgendwer meint, es sei Zeit zu frühstücken, und ist aus unerfindlichen Gründen zusätzlich der Meinung, dass dies nicht ohne dich über die Bühne gehen kann. Du siehst wehmütig deine Gedankenblase zerplatzen und grummelst den Versuch einer negativen Antwort Richtung Störenfried, jedoch ohne Erfolg. Hier ein erster Exkurs: Sämtliche Kommunikation zu diesem Zeitpunkt ist vollständig für den Arsch! Sowohl für potentielle Bittsteller als auch für dich selbst muss immer gelten:
Vor dem ersten Kaffee, Klappe halten!!!
Weiter im Text: Hat der Störenfried endlich deine ablehnende Haltung zu welchem Projekt auch immer registriert, wird er versuchen, mit einem unschlagbaren Sprichwort dir seinen Plan zu versüßen und vor allem als machbar zu präsentieren. Gezwitschert wird: „Morgenstund hat Gold im Mund…“
Jetzt ja nicht klein beigeben, nur nicht wieder auf die konstruierte Aura der Wahrhaftigkeit, die Sprichwörtern völlig zu Unrecht anhaftet, hereinfallen! Stell dir die entscheidende Frage: Ist das so? Und schon bist du im Bilde, was mit dir getrieben wird, und dir fällt die einzig wirksame Entgegnung ein, die du der Morgenstunde in einer den Rotz der ganzen Nacht loslösenden Art und Weise entgegen schleuderst:
„Dann erstick dran, du scheiß Arsch von Morgenstund!!!“
Jawoll, das hat gesessen. Jetzt aber nicht nachgeben, sondern weiter nachbohren. Warum hat der Morgen einen Mund? Und warum sollte Gold in diesem Mund liegen? Ist doch total alberner und sinnloser Quatsch. Was soll das denn bitte für ein Sprachbild sein? Wenn man Gold im Mund hat, so handelt es sich doch meistens um Zahngold. Denkbar wäre, dass der bettelarme Schuft von Krematoriumsmitarbeiter, der aus deinen verbrannten Überresten eben jenes Zahngold herausfischt, freudig vor sich hin trällert:
„Letzter Kunde, hatte Gold im Munde!“
Nun hätte dieser kleine Essay seine Zielvorgabe verfehlt, wenn er nicht ein neues Sprichwort präsentieren würde, um das absurde Ausgangssprichwort zu ersetzen. Also, wenn du morgens mal wieder für sämtliche Pläne nicht zu haben bist, und „total inne Fritten bist“, wie der Volksmund so sagt, dann zitiere doch einfach folgendes kleine Sprichwort in Gedanken:
Nur wer morgens arg zerknittern ist, kann sich am Tage auch ordentlich entfalten!
Und wenn du den ersten Kaffee drin hast, dann darfst du diesen Satz auch an deine Umwelt senden…
Folge 2: „Morgenstund hat Gold im Mund!“
In der letzten Ausgabe haben wir das Sprichwort „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“ als Quatsch entlarvt und durch geschickte Dekonstruktion folgende Essenz der Wahrheit erhalten: „Wer arbeiten kann, hat am Tag zuvor zu wenig gesoffen!“
Hier setzen wir nun direkt mit unserer zweiten Untersuchung an. Stellen wir uns vor, wir wachen morgens auf und können nicht arbeiten. Zunächst können wir uns imaginär auf die Schulter klopfen und zu uns selbst sagen: Fein, fein, du hast anscheinend in ausreichendem Maße gesoffen….
Dieser friedliche Moment der Erkenntnis wird dann jedoch jäh zerrissen, indem eine Person, die nicht du selbst bist, Aktionsvorschläge vorträgt, die dich zum Aufstehen bringen sollen. Irgendwer meint, es sei Zeit zu frühstücken, und ist aus unerfindlichen Gründen zusätzlich der Meinung, dass dies nicht ohne dich über die Bühne gehen kann. Du siehst wehmütig deine Gedankenblase zerplatzen und grummelst den Versuch einer negativen Antwort Richtung Störenfried, jedoch ohne Erfolg. Hier ein erster Exkurs: Sämtliche Kommunikation zu diesem Zeitpunkt ist vollständig für den Arsch! Sowohl für potentielle Bittsteller als auch für dich selbst muss immer gelten:
Vor dem ersten Kaffee, Klappe halten!!!
Weiter im Text: Hat der Störenfried endlich deine ablehnende Haltung zu welchem Projekt auch immer registriert, wird er versuchen, mit einem unschlagbaren Sprichwort dir seinen Plan zu versüßen und vor allem als machbar zu präsentieren. Gezwitschert wird: „Morgenstund hat Gold im Mund…“
Jetzt ja nicht klein beigeben, nur nicht wieder auf die konstruierte Aura der Wahrhaftigkeit, die Sprichwörtern völlig zu Unrecht anhaftet, hereinfallen! Stell dir die entscheidende Frage: Ist das so? Und schon bist du im Bilde, was mit dir getrieben wird, und dir fällt die einzig wirksame Entgegnung ein, die du der Morgenstunde in einer den Rotz der ganzen Nacht loslösenden Art und Weise entgegen schleuderst:
„Dann erstick dran, du scheiß Arsch von Morgenstund!!!“
Jawoll, das hat gesessen. Jetzt aber nicht nachgeben, sondern weiter nachbohren. Warum hat der Morgen einen Mund? Und warum sollte Gold in diesem Mund liegen? Ist doch total alberner und sinnloser Quatsch. Was soll das denn bitte für ein Sprachbild sein? Wenn man Gold im Mund hat, so handelt es sich doch meistens um Zahngold. Denkbar wäre, dass der bettelarme Schuft von Krematoriumsmitarbeiter, der aus deinen verbrannten Überresten eben jenes Zahngold herausfischt, freudig vor sich hin trällert:
„Letzter Kunde, hatte Gold im Munde!“
Nun hätte dieser kleine Essay seine Zielvorgabe verfehlt, wenn er nicht ein neues Sprichwort präsentieren würde, um das absurde Ausgangssprichwort zu ersetzen. Also, wenn du morgens mal wieder für sämtliche Pläne nicht zu haben bist, und „total inne Fritten bist“, wie der Volksmund so sagt, dann zitiere doch einfach folgendes kleine Sprichwort in Gedanken:
Nur wer morgens arg zerknittern ist, kann sich am Tage auch ordentlich entfalten!
Und wenn du den ersten Kaffee drin hast, dann darfst du diesen Satz auch an deine Umwelt senden…
Wer saufen kann, kann auch arbeiten?
UNSINNIGE SPRICHWÖRTER - Eine Veröffentlichung des Aktionskomitees zur Eliminierung dummbatziger Redensarten aus der Kommunikationskultur der menschlichen Gemeinschaft, kurz AkzEdummRadKdmG
Folge 1: „Wer saufen kann, kann auch arbeiten!“
Wer kennt nicht die folgende Situation, die sich vorwiegend gegen 5 Uhr morgens auf geselligen Zusammenkünften auf Alkoholbasis abspielt: Man ist gut drauf, das Thema kommt auf eine baldige terminliche Verpflichtung, z.B. sagt dir deine Mitbewohnerin: „Hömma, musst du nicht morgen schon um 10 bei deinem Vater sein, ihm irgendwas ausbuddeln helfen?“ Und du sagst, in bewunderungswürdiger, weil total realistischer und analytischer Beurteilung der Situation: „Öh, das sehe ich jetzt so noch nicht kommen….. kähähä!“
In diesem Moment wirst du aus dem Munde eines mit angezogener Handbremse trinkenden Klappspatens, der sich nie für einen dämlichen Spruch zu schade zu sein scheint, mit folgender Phrase beschallt:
„Wer saufen kann, kann auch arbeiten!“
Begleitet wird dieser Ausspruch von einem überlegenen und nach Zustimmung heischenden Grinsen, und du denkst dir: „Verdammt, eine Redensart, dagegen kannst du nix machen, also schnell nach Hause jetzt“
Falsch!
Du darfst in diesem Moment nicht auf die konstruierte Aura der Wahrhaftigkeit, die Sprichwörtern völlig zu Unrecht anhaftet, hereinfallen. Du musst dich wehren. Das einfachste wäre natürlich, mit dem Spruch „Und wer ein Grinsen im Gesicht hat, dem kann auch in selbiges gedroschen werden!“ für klare Verhältnisse zu sorgen. Wir als staatlich anerkanntes Aktionskomitee haben uns aber leider dazu verpflichtet, nicht zur Gewalt aufzurufen. Also wähle diese Möglichkeit nur im Notfall. Unser Motto lautet: Überzeugen statt Vermöbeln!
Schnapp dir also den Unwissenden am Schlawittchen und erläutere ihm im abgeklärten und beruhigenden Tonfall:
„So, du Pisser! Pass ma auf! Mit dem Unsinn, mittels eines Sprichwortes zu Unrecht Zustimmung zu erhalten und mir auf den Sack zu gehen ist jetzt Schluss! Das von dir benutzte Sprichwort ist ein Atavismus des protestantischen Arbeitsethos und steht im krassen Gegensatz zu der aktuellen Trinkveranstaltung, die jawohl eher dem rheinischen Katholizismus zuzuschreiben ist. Du merkst vielleicht schon: Das beißt sich ein wenig! Die ausufernde Einnahme von alkoholhaltigen Getränken, die der eigentliche Grund unserer Zusammenkunft hier ist, wird unweigerlich dazu führen, dass sich mein Zustand immer weiter von dem entfernt, was man gemeinhin als arbeitstauglich bezeichnen würde. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass mein Zustand morgen Früh so sein wird, dass ein eventueller Arbeitseinsatz gefährlich für mich, meine Umwelt und für das Arbeitsprojekt an sich sein wird. Dies legt den Schluss nahe, dass es für alle das beste wäre, wenn ich mich für diese Zeit freiwillig der Arbeit enthalte, um die Situation nicht unnötig zu verschlimmern.“
Durch die gewonnen Fakten lässt sich das widersinnige Sprichwort in ein wahrhaftiges umformulieren. Wir haben festgestellt, dass intensiver Alkoholkonsum zweifellos zur Arbeitsunfähigkeit führt. Daraus lässt sich folgendes Sprichwort ableiten:
Wer arbeiten kann, hat am Tag zuvor zu wenig gesoffen!
Folge 1: „Wer saufen kann, kann auch arbeiten!“
Wer kennt nicht die folgende Situation, die sich vorwiegend gegen 5 Uhr morgens auf geselligen Zusammenkünften auf Alkoholbasis abspielt: Man ist gut drauf, das Thema kommt auf eine baldige terminliche Verpflichtung, z.B. sagt dir deine Mitbewohnerin: „Hömma, musst du nicht morgen schon um 10 bei deinem Vater sein, ihm irgendwas ausbuddeln helfen?“ Und du sagst, in bewunderungswürdiger, weil total realistischer und analytischer Beurteilung der Situation: „Öh, das sehe ich jetzt so noch nicht kommen….. kähähä!“
In diesem Moment wirst du aus dem Munde eines mit angezogener Handbremse trinkenden Klappspatens, der sich nie für einen dämlichen Spruch zu schade zu sein scheint, mit folgender Phrase beschallt:
„Wer saufen kann, kann auch arbeiten!“
Begleitet wird dieser Ausspruch von einem überlegenen und nach Zustimmung heischenden Grinsen, und du denkst dir: „Verdammt, eine Redensart, dagegen kannst du nix machen, also schnell nach Hause jetzt“
Falsch!
Du darfst in diesem Moment nicht auf die konstruierte Aura der Wahrhaftigkeit, die Sprichwörtern völlig zu Unrecht anhaftet, hereinfallen. Du musst dich wehren. Das einfachste wäre natürlich, mit dem Spruch „Und wer ein Grinsen im Gesicht hat, dem kann auch in selbiges gedroschen werden!“ für klare Verhältnisse zu sorgen. Wir als staatlich anerkanntes Aktionskomitee haben uns aber leider dazu verpflichtet, nicht zur Gewalt aufzurufen. Also wähle diese Möglichkeit nur im Notfall. Unser Motto lautet: Überzeugen statt Vermöbeln!
Schnapp dir also den Unwissenden am Schlawittchen und erläutere ihm im abgeklärten und beruhigenden Tonfall:
„So, du Pisser! Pass ma auf! Mit dem Unsinn, mittels eines Sprichwortes zu Unrecht Zustimmung zu erhalten und mir auf den Sack zu gehen ist jetzt Schluss! Das von dir benutzte Sprichwort ist ein Atavismus des protestantischen Arbeitsethos und steht im krassen Gegensatz zu der aktuellen Trinkveranstaltung, die jawohl eher dem rheinischen Katholizismus zuzuschreiben ist. Du merkst vielleicht schon: Das beißt sich ein wenig! Die ausufernde Einnahme von alkoholhaltigen Getränken, die der eigentliche Grund unserer Zusammenkunft hier ist, wird unweigerlich dazu führen, dass sich mein Zustand immer weiter von dem entfernt, was man gemeinhin als arbeitstauglich bezeichnen würde. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass mein Zustand morgen Früh so sein wird, dass ein eventueller Arbeitseinsatz gefährlich für mich, meine Umwelt und für das Arbeitsprojekt an sich sein wird. Dies legt den Schluss nahe, dass es für alle das beste wäre, wenn ich mich für diese Zeit freiwillig der Arbeit enthalte, um die Situation nicht unnötig zu verschlimmern.“
Durch die gewonnen Fakten lässt sich das widersinnige Sprichwort in ein wahrhaftiges umformulieren. Wir haben festgestellt, dass intensiver Alkoholkonsum zweifellos zur Arbeitsunfähigkeit führt. Daraus lässt sich folgendes Sprichwort ableiten:
Wer arbeiten kann, hat am Tag zuvor zu wenig gesoffen!
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